Lars Eidinger spricht
Lars Eidinger
Lars Eidinger steht auf einem Balkon und liest aus einem Buch, den Blick in die Nacht gerichtet. Dann hält er inne und sagt: „Ich kannte einen Mann, den ich mochte.“
Ein leichter Schmerz in meiner Brust. Er liebte nicht mich. Warum?
Er erzählte von einem Leben allein, ohne feste Partnerschaft. Und dann diese Frage:
Mögen wir unseren Partner wirklich – oder nur zu achtzig Prozent?
Die 80-Prozent-Liebe.
Pause. Trommelwirbel.
Er sagt: „Ich meine das ernst. Es gibt Menschen, die an ihrer Partnerschaft zweifeln – und nur ein 80-Prozent-Partner sind.“
Dann spricht er über einen „80-Prozent-Mann“.
Ja, er habe eine Geliebte und eine Frau. Wo liegt der Unterschied? Er wisse es nicht.
Der 80-Prozent-Mann kommt mit seiner Frau in die Therapie und spricht über seine Freundin. Die 80-Prozent-Freundin. In Anwesenheit seiner Frau redet er abfällig über die Freundin, sagt Lars Eidinger.
Dann fragt er in den Zuschauerraum:
Und in Gegenwart der Freundin – redet er über die Frau genauso?
Niemand antwortet.
Es gibt keine Aufnahme seiner Worte. Es gibt nur diesen Augenblick.
Bedeutungsschwangere Worte füllen den Raum, gebären ihre Kinder. Eine Sturzgeburt. Die Hebammen kommen zu spät. Die Zuschauer sind die Zeugen dieser Geburten. Namen tragen die Kinder alle – sofort erkennbar.